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Dienstag, 28. April 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 10


10. Abschnitt 40 (Christoph Darnstädt)
Der Fokus der Serie liegt anders als bei vielen anderen Krimiserien auf den Beamten des Abschnitts 40 und nicht auf den Fällen. Der Charakter und seine Reaktion auf bestimmte Ereignisse im Dienst stehen im Vordergrund. Alle Folgen beinhalten nur die Ereignisse innerhalb eines Tages und gehen niemals darüber hinaus. Allerdings gibt es eine Rahmenhandlung, die die Ereignisse aus vorhergehenden Episoden wieder aufgreift.
Wikipedia (warum nicht?)



Die Serie hat es immerhin auf 37 Folgen in 5 Staffeln gebracht. Die letzten Folgen wurden leider ohne Ankündigung nachts "versendet". Wieder mal gilt also die Regel:
Intelligente Erzählweise --> X Preise (dreimal in Folge als beste Serie) --> Quotenflop.
Der Cast war zumindest mir nicht sooo bekannt, wenn auch wirklich gut. Inzwischen bin ich aber ein großer Fan von Sebastian Bezzel (München 7, Franzi, Schwere Jungs, Tatort).

Marc Conrad (ehemaliger RTL-Programmchef) war für die Typhoon AG verantwortlicher Produzent der Serie. Danach hat er mit Blackout und GSG9 Produktionen betreut, die leider nicht an die Qualität von Abschnitt 40 heranreichten. Überhaupt gefallen mir persönlich nur ihre Produktionen nach Drehbüchern von Herrn Darnstädt. Inzwischen hat die Firma leider Insolvenz angemeldet: Eine aktuelle Produktion für den WDR unter der Regie des TV-Veterans Dominik Graf braucht 12 (!) Drehtage mehr und der WDR will davon nur 6 übernehmen. Ursache sollen Verletzungen der Arbeitszeitbegrenzungen sein. 12 Drehtage sind aber schon verdammt viel und können eine noch so gesunde Firma in den Ruin treiben. Ich bin gespannt, wie sich die Situation entwickelt.

Headautor Christoph Darnstädt hat für seine hervorragenden Tätigkeiten bereits diverse Preise erhalten: Für Das Experiment, Abschnitt 40, sogar für Das Zimmermädchen und der Millionär (der überraschend nett, wenn auch harmlos geraten ist, ein Sat1FilmFilm eben). Für Die Patin hat er zwar (noch) keinen Preis gewonnen, hätte es aber allemal verdient. Ich hatte das Glück am Schnitt des Dreiteilers ein wenig beteiligt sein zu dürfen und habe spätestens seitdem auch sehr großen Respekt vor der Arbeit eines Cutters, der tatsächlich der dritte Autor eines Films ist (in diesem Fall war es Andreas Herzog).

Fazit: Eine temporeiche Polizeiserie, die sich endlich mal auf die zahlreichen - auch mal unsympathischen - Figuren und ihre Entwicklung (!) konzentrierte und sich nicht in der ewig gleichen Stasis des deutschen Krimieinerleis versteckte. Merkwürdiger und trauriger Weise gibt es nur die dritte Staffel auf DVD. Dieser Post kann also eigentlich nur als (hoffentlich) nette Erinnerung an eine Serie dienen, die erzählerisch brilliant war.

Mittwoch, 15. April 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 11


11. Doctor's Diary (Bora Dagtekin)
Produktion: Polyphon für RTL und ORF
Cast: Diana Amft, Florian D. Fitz, Kai Schumann, Adele Neuhauser (Vier Frauen und ein Todesfall), Julia Koschitz (Allein unter Bauern), Collien Fernandes (äh...),...
Buch: Dagtekin (Interview)

Inhalt: DD dreht sich um Dr. Gretchen Haase, die nach einer Beziehungspleite wieder bei ihren Eltern wohnt - einem Professor für Chirurgie und einer Übermutter. Gretchens will nun Karriere machen und die Männer vergessen. Wenn da nur nicht dieser süße Nette (Dr. Kaan) und dieser fiese Heiße (Dr. Meier) wären...



DD hat den Beititel "Männer sind die beste Medizin" - für alle, die bis dahin noch nicht verstanden haben, dass es sich bei der Serie um eine Arztserie mit romantischen Verwicklungen handelt. Grimme-, Comedy- und Fernsehpreis gewonnen. Vom Spiegel treffend Gretchen's Anatomie genannt, ist die Dramedy ein Zwitter aus Bridget Jones Diary (!) und Grey's Anatomy. Einige Kilo Fett und die Frau zwischen einem netten und einem bösen Typen wurden aus dem Film übernommen, aus GA etwas weniger, vom unglaublich unoriginellen und trotzdem schönen Einsatz von The first cut is the deepest mal abgesehen.

Das Drehbuch
Dagtekin war bei Schulmädchen federführend, hat an Wo ist Fred? mitgearbeitet, den Kritikerliebling Türkisch für Anfänger erfunden und hat letztere meines Erachtens mit seiner neuen Dramedy weit übertroffen. Doch was ist jetzt so toll an der Serie? Vielleicht ist es schlicht die Tatsache, dass die Serie gar nicht versucht mehr als charmant, witzig und intelligent zu sein. Bei der Juryentscheidung des Grimmepreises war von Souflé die Rede und das trifft es schon ganz gut.

Die Plots sind halt die typischen Krankenhausgeschichten, da wird kaum einer das Rad neu erfinden. Auch die privaten Verwicklungen bewirken ein starkes Déjà-vu-Erlebnis:
Natürlich steht Gretchen zwischen zwei Männern.
Natürlich ist einer der Fiese, der ganz tief drinnen ein guter Kerl ist, und einer der Liebe.
Natürlich spielen sich einige wichtige Begegnungen im Aufzug statt (Grey's Anatomy?).
Natürlich ist Gretchen sitzen gelassen worden und hat "eigentlich erst mal genug von Männern". Natürlich wacht die im tiefen Koma liegende Frau des Netten wieder auf. ...

Doch das ist egal, denn die Dialoge sind spritzig, wirken selten aufgesetzt und sind mit die besten im deutschen Serienalltag. Die Figuren sind alle symphatisch gezeichnet, ohne zu langweiligen Fernsehgutmenschen zu degenerieren. Wirklich alle? Nein, denn Florian David Fitz Dr. Meier ist wunderbar emotional kalt, beleidigend, überheblich, gemein, sexistisch. Und darüber charismatischer als alle anderen zusammen! Das liegt sicher auch an Fitz Darstellung, die jeden Preis verdient, mit dem sie noch ausgezeichnet werden sollte.

Doch es gab einen Moment, in dem mich die Serie gänzlich von ihr überzeugt hat: Als Meiers Bettgespielin und Krankenhausschwester ihm vorspielt schwanger zu sein um ihn an sich zu binden, hebt Dagtekin das Erzählte über den Voice-Over-Kommentar von Gretchen das Geschehen mithilfe der Inszenierung auf eine märchenhafte Ebene...samt der bösen Schwester (zwinker) der Prinzessin. Durch das Hinzufügen einer zusätzlichen Erzählebene erreicht die Serie etwas, das nur wenigen deutschen gelingt: internationale Qualität.

Mehr? Mehr.
DD ist inzwischen um eine zweite und sogar schon dritte Staffel verlängert worden. Jetzt wäre also der richtige Zeitpunkt um einzusteigen. Diesmal lohnt sich aber selbst für die, die die Serie bereits kennen, der Kauf, denn es gibt einiges an Bonusmaterial, u. a. Audiokommentare von Dagtekin.
AMAZON.

Eine Vorschau auf die neue Staffel, Interviews, Hintergrundberichte etc. gibt es auf der RTL-Site. Und jetzt noch als Belohnung für alle, die bis hierher gelesen haben, ein Audiointerview mit Bora Dagtekin aus der Podcast-Reihe Stichwort Drehbuch, die auch ansonsten zu empfehlen ist.

Donnerstag, 2. April 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 12


12. Mord mit Aussicht (Headautorin: Marie Reiners)
Kriminalkommissarin Sophie Haas wird nicht, wie erhofft, zur Chefin der Kölner Mordkommission ernannt, sondern völlig unerwartet als Dienststellenleiterin nach Hengasch in die hinterste Eifel versetzt – ein schwerer Schlag für die toughe Single-Frau und eingefleischte Großstädterin ...
ARD

Das vom WDR betreute MmA brachte es in der ersten Staffel auf sechs Folgen und wurde um eine zweite Staffel verlängert, was sicher auch damit zusammenhängt, dass die Serie für den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme Preis nominiert wurde. Und zurecht, denn von bieder-spießigen Unterhaltung ala Familie Dr. Kleist ist diese Crime-Comedy (oder Krimikomödie für Anglophobe) meilenweit entfernt:



Caroline Peters spielt die leicht arrogante Großstädterin mit großem Herz mit den Details, die eine Figur glaubhaft wirken lassen, Bjarne Mädel löst sich auf beeindruckende Weise von seinem Ernie-Image (auch wenn er wohl nie den Romeo geben wird). Die von "Stromberg" beziehungsweise "Zwei Engel für Amor" Comedy-erprobten Regisseure weisen schon auf den Fokus und die Stärken der Crime-Comedy hin: Die Verbrechen sind nett, aber es geht um die schrulligen Figuren und inwiefern die Großstädterin ihr Leben aufwirbelt.

Autorin Reiners bisheriges Schaffen umfasst u. a. Die Rosenheim Cops und Der Elefant. Letztere wurde genauso wie MmA von der Kölner GmbH produziert. Ursprünglich sollte MmA "Ausgerechnet Eifel" heißen (na, wer löst die Anspielung auf?), doch die ARD beschloss, der Titel sei zu regional. Trotz dieser und anderer Einmischungen der Redakteure (die oftmals nicht den blassesten Schimmer von Film und Serie zu haben scheinen) schufen Frau Reiners und die weiteren Involvierten eine wunderbare Serie.

"Großstädterin landet in Dorf und löst inmitten merkwürdiger Charaktere Mordfälle" schreit zwar nicht nach Originalität (mal ist es ein Politiker, wie in "Allein unter Bauern", mal ein Arzt, wie in "Dr. Martin"). Doch das Spannungsgefüge Stadt-Land trifft einen Nerv, denn schließlich prallen hier wirklich zwei verschiedene Welten aufeinander. Wenn das wie bei den drei erwähnten Beispielen zu unterhaltsamen Serien führt, ist das doch eine feine Sache.


Cheerio

Dienstag, 31. März 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 13


13. Zwei Engel für Amor (David Safier)
Kim jobbt im Café Engel. Als sie plötzlich von dem Marmor-Barockengel angequatscht wird, den Café-Chef Schiff angeschleppt hat, ändert sich ihr Leben. Liebesgott Amor, in die Statue verbannt, engagiert Kim als Botschafterin in Sachen "Liebesglück". Als Liebes-Agentin bekommt Kim Verstärkung von dem Schauspieler Max. Auch er kann den Engel sprechen hören.
ARD

Safiers Nachfolgeserie zu BERLIN, BERLIN schaffte es nur auf 16 Folgen. (Warum muss ich bei jeder zweiten guten Serie mit einem "nur" im Satz beginnen?) Dabei klingt alles so gut (und ist es ja auch): Einmal mehr von Studio Hamburg pr oduziert, für den Grimme Preis nominiert, mit Theresa Scholze (gerade in ihrer eigenen Telenovela ALISA-Folge deinem Herzen zu sehen und manchem vielleicht aus dem unglücklichen "Popp dich schlank in Erinnerung) und aus BERLIN, BERLIN oder STERNENFÄNGER bekannten Schauspielern top besetzt und sogar der Spiegel fühlte sich "auf ungewohnt unterhaltsame Weise" zerstreut.

Natürlich ist Kim noch in ihren Ex verliebt und natürlich ist er nicht der Richtige für sie und natürlich ist der Typ, den sie anfangs nicht leiden kann und den langsam besser leiden kann, der Richtige, auch wenn dieser das anfangs auch noch nicht weiß. Business as usual, aber witzig-spritzig-charmant, mit sympathischen Figuren, einem perfekt animierten Engel und einem Autor dahinter, der als einer der wenigen versteht, wie man eine lockere, aber nicht belanglose Serie schreibt. "Lolle" Felicitas Woll gibt sich übrigens auch kurz die Ehre. Kaufen bei AMAZON.
Oder vorher nochmal einen Clip gefällig?

Cheerio

Top 22 deutscher Serien, Nr. 14


14. Hilfe! Hochzeit!
Vorfreude ist ja eigentlich die schönste Freude -besonders, wenn es die Vorfreude auf die bevorstehende eigene Hochzeit ist! Dass die letzten Tage vor der Eheschließung aber auch katastrophal, nervenaufreibend und nahezu tödlich sein können, zeigt die neue siebenteilige Sat.1-Comedy-Serie "Hilfe, Hochzeit! -die schlimmste Woche meines Lebens" mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle des Bräutigam in spe.
Brainpool (Auch: Dr. Psycho, Stromberg,...)

Eine deutsche "Reimagination" der britischen Comedy THE WORST WEEK OF MY LIFE. Mal wieder kein originär deutscher Stoff, aber trotzdem sehr unterhaltsam, wobei auch hier, wie bei DR. MARTIN gilt: Vielleicht ist es besser, wenn man das Original nicht kennt. Der immer großartige Christoph Maria Herbst, der uns in dieser Liste natürlich nochmal begegnen wird, übernimmt einmal mehr die Rolle eines britischen Schauspielers und tut dies mit der komödiantischen Leichtigkeit und Perfektion des besten deutschen Komikers. Ulrike C. Tscharre war auch überzeugend, auch wenn ihre Rolle genrebedingt natürlich weniger hergibt. Anna Fischer und all die anderen Nebendarsteller, die man alle "schon mal irgendwo" gesehen hat, spielen ebenso frisch auf.

Die Serie brachte es im Gegensatz zum Original leider nur auf sieben Folgen: Auf die Frage, ob die Bücher des BBC-Originals 1:1 adaptiert wurden, antwortet Herbst:

Ganz so einfach war es nicht. Die große Aufgabe unserer Autoren Frank Schmeißer und Sonja Schönemann bestand darin, bei ihrer Übersetzung dem Witz und dem Wesen des Originals gerecht zu werden und trotzdem jede Episode einzukürzen, denn die BBC hatte 30 Minuten pro Folge zur Verfügung, und wir nur zwischen 23 und 25. Hinzu kommt, dass die englische Sprache einfach fluffiger und knapper ist. Im Deutschen macht man einfach mehr Worte. Die eine oder andere Figur, die dramaturgisch nicht so wichtig ist, wurde deshalb bei uns gestrichen. Nicht nur wegen dieser gemeisterten Herausforderungen ist das Ergebnis wirklich sensationell.

Interview

Die beiden Autoren/Übersetzer/Adapteure haben zuvor je an einer Folge Stromberg gearbeitet. Frau Schönemann arbeitet nun an DER KLEINE MANN mit (einer Serie, deren erste Folge mir sehr gut gefallen hat!). Herr Schmeißer war zuvor u. a. in "Der große deutsche Prominenten-Buchstabiertest" involviert. Ok, das war gemein...aber wahr. Bei der Vita mag man mir verzeihen, wenn ich vermute, dass die Bücher des Originals zu großen Teilen übernommen wurden. Was ja nicht schlecht ist, wenn man das Original eine so schöne Screwball-Komödie im Serienformat ist. Jeder Tag der schlimmsten Woche im Leben der Hauptfigur bereitet Schadenfreude und erinnert in ihren besten Momenten an "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich", nur eben britischer.

Trailer und DVD gibt es wie immer bei AMAZON.

Cheerio

Montag, 23. März 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 15


15. Berlin, Berlin (David Safier)
Lolle (Felicitas Woll) kommt als "Landei" in die Großstadt Berlin und kämpft dort mit den Schwierigkeiten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt: in der Liebe, im Job und im Studium. Mit viel Charme und Energie, aber meist ohne einen Plan nimmt sie ihr Leben in Angriff. Reichlich Verwirrung stiften ihre WG-Mitbewohner: ihre ehemals große Liebe Sven und die durchsetzungsfähige Sarah. Zusätzlich sorgen Svens bester Kumpel Hart und Lolles Freund Alex dafür, dass es Lolle nicht an Abenteuern mangelt.
Studio Hamburg (mal wieder)

Rose d'Or, Internationaler Emmy, Deutscher Fernsehpreis. Und das alles für eine ARD-Comedyserie am Vorabend. Die Tradition der anspruchsvoll unterhaltenden Comedy in der ARD hielt bis vor kurzem nur noch "Türkisch für Anfänger" aufrecht. Nicht unerwähnt soll dabei "Sternenfänger" (mit den sehr jungen Pocher und Tschirner) bleiben, das aber der Definition eines "Guilty Pleasure" sehr nahe kam.

Die Serie lief vier Staffeln lang von 2002-2005 mit Kullerauge Felicitas Woll, Jan Sosniok, Matthias Klimsa (in einer Rolle, die nicht viele Deutsche spielen könnten ohne lächerlich zu wirken), der herrlich schnoddrigen Rhea Harder, und Alexandra Neldel in einer Gastrolle, als sie noch nicht "Verliebt in Berlin" war,...

David Safier, zuvor nur durch zwei Folgen Mein Leben & ich positiv aufgefallen, schuf mit BB eine Serie mit immens symphathischen Figuren, die sich meist ohne in übertriebene Panik zu verfallen durch ihre tumulten Plots bewegen. (Das deutsche Comdygenie Ralf Husmann hat sich hier anscheinend auch schon erste Sporen verdient.) Die romantischen Verwicklungen wurden natürlich bis zur Schmerzgrenze ausgereizt, doch durch den deutschen (und trotzdem funktionierenden) Witz und die für deutsche Verhältnisse geradezu revolutionäre Integration von Comicsequenzen hat BB einen ganz eigenen Ton gefunden. Von wievielen deutschen Serien kann man das schon sagen?

Abonnierter Regisseur Sven Unterwaldt jr. ist inwzischen zum Kinoregisseur geworden: U-900, Siegfried und die beiden 7 Zwerge-Filme stammen von ihm. Er ist also zu Größerem (aber nicht gerade Besserem) aufgestiegen. Ich hoffe seine Entwicklung zeigt uns nicht die Zukunft deutschen "Humors"...

Safiers zweite Serie, der leider kein längeres Leben gegönnt war, wird als nächstes besprochen. Auch als Romanautor ist Safier übrigens sehr erfolgreich: Sein Erstlingswerk "Mieses Karma" verkaufte sich so gut, dass es inzwischen einen zweiten Roman von ihm gibt: "Jesus liebt mich". Letzteres werde ich besprechen, sobald ich dazu komme es zu lesen, was aber noch eine Weile dauern kann. Wer lieber guckt als liest, kann jetzt BB nachholen.

Cheerio

Dienstag, 10. März 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr. 16

16. Dell & Richthoven (Michael Illner)



Die Spiegelkritik kann ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen:
Selbstjustiz nach Art des ZDF: Als kultivierter Staatsanwalt im Ruhestand knöpft sich Friedrich von Thun in der Krimi-Komödie "Dell & Richthoven" böse Bonzen vor, die er vor Gericht nicht drangekriegt hat – eine bieder-bräsige Rachephantasie für Otto-Normal-Verbraucher.

Bei D&R handelt es sich um eine ZDF-Hauptabendserie, die es leider nur auf vier Folgen gebracht hat. Danach wurden aufgrund schlechter Quoten keine weiteren Fogen dieser sehr charmanten Comedy um vier Robin-Hood-Betrüger bestellt. Schade um die einfallsreichen Betrügereien und einen tollen Cast um Serienstar Christoph M. Ohrt, Friedrich von Thun, Kathrin Sass und Annalena Duken. Alle spielen mit soviel Spaß an der Sache...als wüssten sie, dass es bei den vier Folgen bleiben würde. Der ZDF-Redakteur für die anspruchsvolle Serie, Axel Laustroer, steckt auch wieder hinter dieser kurzlebigen Serie.

Michael Illner, Autor zweier Folgen ist seitdem bei Soko Köln gelandet. Warum überrascht es mich nicht, dass ein Autor, der mehr drauf hat als Krimistandard-Ware am Fließband zu entwickeln, von einer originellen aufwändig produzierten Serie wie D&R zu Soko Köln wechselt. Vielleicht bin ich ja auch zu hart gegenüber Soko Köln, da ich sie noch nie angeschaut habe, aber es gibt halt einfach auch noch etwas anderes als Krimis. Oder?

Mehr fällt mir zu nur vier Episoden leider nicht ein. Ich hätte gerne (über) mehr geschrieben.
Hier noch die nette ZDF-Site zur Serie. Möglichkeiten sie anzusehen gibt es im Moment leider keine.

Cheerio

Top 22 deutscher Serien, Nr. 17


17. Der Elefant (Headwriter Frank Speelman)
Die Krimiserie "Der Elefant" hat es auf SAT1 in zwei Staffeln auf insgesamt 20 Folgen gebracht, bekam drei Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis und stammt einmal mehr (auch) von Barbara Thielen und der Pro GmbH, die uns auch die tolle Serie "Mord mit Aussicht" brachten und hoffentlich wieder bringen. Selbst Herr Niggemeier war vom damaligen Pilotfilm begeistert:

Die Hauptrolle wurde Thomas Sarbacher auf den Leib geschrieben. Von Lutz Konermann brillant in kalten Farben und Bildern inszeniert, ragt "Der Elefant" aus den Kandidaten heraus. Stefan Niggemeier, Frankfurter Allgemeine

Oberflächlich betrachtet handelt es sich um die deutsche Version von "Cold Case", da auch hier alte Fälle bearbeitet werden. Jedoch wird dies mit einem ganz eigenen sehr düsteren Grundton erzählt und setzt sich deutlich von seinem Vorbild ab. Speelman bekam nach seiner Serie bisher nur drei Folgen fremder produziert. Sehr schade, von ihm würde man gerne mehr sehen.

Thomas Sarbacher, Katharina Abt und Niels-Bruno Schmidt sind drei deutsche Topschauspieler und überzeugen in ihren wohltuend klischeefreien Rollen. Eine so lakonische Hauptfigur wie Matthias Steiner hat man noch selten gesehen.

Fazit: Intelligente, düstere Krimiunterhaltung für Leute, die keine Krimis mögen. Und jetzt kommt der perfekte Zusatzservice: Bei Maxdome kann man sich die erste Folge umsonst anschauen und die anderen günstig streamen. Da es bisher keine DVD-Boxen gibt, ist dies die einzige Möglichkeit die spannende Serie nachzuholen. Außerdem gibt es dort auch noch einige weitere deutsche Serien, manche Folgen sogar gratis. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle "Allein unter Bauern"und "Edel & Starck". Für den Krimifan gibt es aber auch einige gute Serie wie z. B. "Mit Herz und Handschellen" (das mit der Zeit leider nachgelassen hatte und deshalb in dieser Liste nicht nochmal auftauchen wird).

Cheerio

Sonntag, 8. März 2009

Top 22 deutscher Serien: 18

18. Doktor Martin (Anna Dokoupilova nach Dominic Minghella)
"Ich mag Hunde auch", sagt er, "ich mag es, wie sie riechen, und ich mag, wie sie einen beißen. Hunde sind echt das Allergrößte!" Der Mann, der das sagt, ist Arzt. Bis vor Kurzem war Martin Helling noch der gefragteste Gefäßchirurg von Berlin. Jetzt lässt er sich, bedingt durch ein persönliches Trauma, in einem verschlafenen Nest an der Küste Ostfrieslands nieder - als Landarzt.

Ja, noch ein Landarzt im ZDF, noch ein Mensch aus der großen Stadt in einem Dorf, noch ein verletzter Grieskram, aber eben auch: Für den Grimme Preis nominiert, Hauptdarsteller Axel Milberg (zuletzt in "The International") zu Recht mit dem bayrischen Fernsehpreis ausgezeichnet, dazu Ina Weisse und der in "Doctor's Diary" absolut rockende Florian David Fitz. ZDF-Redakteur steht (mit "KDD" und "Dell und Richthoven") hinter einer weiteren Top-Serie, Markus Imboden führte bei den ersten Folgen der Dramedy Regie.

Nicht ganz überraschend ist wohl, dass die Bücher nicht direkt von einem deutschen Autoren stammen, sondern Adaptionen sind. Woran diese um sich gehende Entwicklung liegt, kann ich nicht beurteilen, schade ist es aber allemal. Anna Dokoupilova (R.I.S.) hat die Drehbücher von Dominic Minghella, der für bisher 22 Folgen des britischen Originals als Autor verantwortlich zeichnete, adaptiert.

Ich kann nicht beurteilen, ob die Bücher so stark übernommen wurden, wie in der ersten Staffel Stromberg, oder in einem so tollen eigenständigen Ton geschrieben wurden, wie die von Stromberg ab der zweiten. Doch letztlich ist es mir bei der Bewertung selbst egal, wenn man so gut unterhalten wird. Ich habe aber von Fans des Originals gehört, die Bücher seien eher übernommen als adaptiert worden. Der Unterschied ist wohl so groß wie der zwischen "Doktor Martin" und "Doc Martin". Hier durfte nichts verschlimmbessert werden. (Milberg)

Das ZDF hat übrigens auch zu dieser Serie wieder eine schöne Site, die zu besuchen sich wirklich lohnt. Interviews mit den Machern vor und hinter der Kamera und die sehr witzigen Patientenregeln von Doktor Martin.

Fazit: Intelligent, witzig, charmant, tolle Landschaftaufnahmen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt um die erste Staffel nachzuholen oder aufzufrischen, denn im Frühjahr will das ZDF die neuen Folgen der bereits produzierten zweiten Staffel austrahlen:
Amazon

Cheerio

Donnerstag, 5. März 2009

Top 22 deutscher Serien, Nr.: 19


19. Die Anwälte (Marc Terjung)
"Der Fall ist der Fall" – so könnte das Motto der jungen, selbstbewussten und neuen Serie DIE ANWÄLTE lauten. Haupthandlungsort ist die gemeinsame Anwaltskanzlei der fünf Hauptcharaktere. Immer wieder haben es die Hamburger Anwälte mit heiklen und schwerwiegenden Fällen, spannenden Zivilprozessen oder auch einfach Mandanten zu tun, die eher durch skurrilen Charme bestechen. Und auch untereinander ist durch die unterschiedlichen Temperamente für Spannung und Unterhaltung gesorgt. http://www.studio-hamburg.de/index.php?id=445&L=0&pid=46

Buch: Marc Terjung

Regie: Miguel Alexandre (Pilot)
Cast: Kai Wiesinger, Julia Bremermann, Alexander Held, Carolina Vera, Johann von Bülow,...


Eine Studio Hamburg Hauptabendserie für RTL. Ein toller (und charismatischer!) Cast rund um Kai Wiesinger. Eine weitere hochwertige Produktion von Barbara Thielen (Die Patin, Der Elefant, Die Sturmflut). Eine stilsichere Regie. Einer der besten deutschen Autoren mit seiner nach "Edel & Starck" und "Allein unter Bauern" nun dritten Serie. Fälle, die wie in einer Serie von David E. Kelley auch für den Zuschauer nicht leicht zu entscheiden sind. Was ergibt das?


Richtig! Bei RTL nach der ersten Folge (schon mal was davon gehört, dass viele Serien ein wenig Zeit brauchen, um ihr Publikum zu finden?) abgesetzt. Die 10,7 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen blieben hinter den Erwartungen zurück. Eine Weile später dann medienträchtig von der ARD eingekauft (so etwas gab es bis dato auch noch nie). Hier konnte man dann wenigstens alle acht Folgen sehen, bevor auch dieses allzu kurze Serienleben wieder beendet war. Schade, denn "Die Anwälte" fing gut an und wurde noch besser. Wer die Serie verpasst hat, weil er mit Jauch quizzen musste, sollte sich diese intelligente Serie besorgen: http://www.amazon.de/gp/product/product-description/B001GQSM5M/ref=dp_proddesc_0?ie=UTF8&n=284266&s=dvd


Cheerio


Montag, 2. März 2009

Top 22 deutscher Serien: Nr. 20

20. Typisch Mann! (ZDF)
"Götz Bentlage (Thomas Heinze), charmanter Investment-Banker mit losem Mundwerk verliert durch einen beruflichen Fehltritt seinen Job und wird obendrein hochkant aus seiner Penthouse-Wohnung geworfen. Der Zufall bringt ihn mit der Kindergärtnerin Nina Wolf (Nina Kronjäger) zusammen. Die toughe allein erziehende Mutter zweier Halbwüchsiger leidet unter chronischem Geldmangel und nimmt Götz eher widerwillig als Untermieter in ihren Haushalt auf. Gemeinsam versuchen diese völlig unterschiedlichen Charaktere nun ihren Alltag zu meistern, was zu einigen Turbulenzen führt."
http://www.studio-hamburg.de/index.php?id=445&L=0&pid=3

Regie: Ulli Baumann
Buch: Lars Albaum, Kathrin Bausum, Andreas Heckmann, Ralf Husmann, Torsten Goffin, Dietmar Jacobs
Produktion: Studio Hamburg

2005 und 2006 für einen Adolf Grimme Preis in der Kategorie »Serien und Mehrteiler« nominiert. Wie schafft man das während einer so kurzen Laufzeit (12 Folgen)? Außerdem sackte man eine Nominierung beim Deutschen Fernsehpreis ein. Wenn man bedenkt, dass es sich bei der Serie um eine ZDF-Vorabendsitcom handelt (was passt hier wohl nicht in die Reihe?), dann ist sie ein Meisterwerk. Mit etwas Abstand betrachtet ist Typisch Mann! (ein Titel, der neugierig macht, nicht wahr?) eine liebenswerte deutsche Sitcom. Wer mir fünf bessere nennen kann, soll sich in den Kommentaren austoben. Außer die Antworten beinhalten die Worte Nikola, Atze, Herzog,...

Bis eben hatte ich keine Ahnung, dass das Genie Ralf Husmann (Stromberg, Dr. Psycho, Nicht mein Tag) an der Serie beteiligt war, aber das erklärt vieles, selbst wenn er nicht der Headautor war. Thomas Heinze ist ja bekanntlich ein fähiger Schaupieler, aber gerade Nina Kronjäger hat mir in ihrer Rolle sehr gut gefallen und das obwohl sie als oft nicht pflegeleichte Mama kein so flashiger Charakter ist, wie Götz. Schöner Figurenname für ein Ar***l***. (Tut mir leid, wenn du Götz heißt, mein echter Name ist noch bescheidener.) Der Sitcom-erprobte Regisseur Ulli Baumann hat das ganze dann routiniert in Szene gesetzt.

Fazit: Die Premise ist jetzt natürlich nicht komplett neu, aber gerade bei Sitcoms ist dies erstens sehr schwer und zweitens gar nicht nötig, wenn die Umsetzung Spaß macht. Genauso wie bei Freunde für immer gibt es zu der Serie keine DVDs, wobei meiner sehr subjektiven Meinung nach (ab sofort IMHO=in my humble opinion) sowieso nur 2-7 deutsche Serien mehr als einmal gesehen werden müssen.
(Ich hab ja nicht mal ein besseres Bild zu der Serie gefunden als das obige.)

Cheerio

Donnerstag, 26. Februar 2009

Top 22 deutscher Serien: Nr. 21

21. Freunde für immer - Das Leben ist rund (Headwriter u.a. Sönke Wortmann)

Diese nette kleine Dramedy dreht sich um das Leben einer Hobby-Fußballmannschaft. Das Thema lässt sich schon im Titel erahnen: Die Freundschaft der Mannschftskollegen steht im Vordergrund. Und nein, keine der Figuren ist Forensiker, Polizist, Detektiv, Anwalt oder Arzt. Allein dies ist schon eine willkommene Abwechslung. Leider ist es dafür wohl mit einer holländischen Serie als Vorbild entstanden, aber da diese hier ja keiner kennt...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,414125,00.html
Unter der Woche lebten alle ihre komplizierten Leben, doch am Sonntag, wenn alle ihre Fußballschuhe schnürten, war plötzlich alles sehr einfach: Ein Ball, zwei Tore, ein Gegner.

Wortmann schrieb alle sieben Folgen mit ein paar Kollegen und führte bei zwei Folgen gar Regie. Prompt wurde die Serie für den deutschen Fernsehpreis nominiert. Es ist schon ungewöhnlich, dass sich ein Kinofilmregisseur in die Gefilde der TV-Serie verirrt, aber wenn jedesmal eine so sympathische, witzige und vor allem natürliche Serie dabei rauskommt, sollte dies vielleicht öfter passieren. Und auch wenn ich mich natürlich nicht mehr an jede Storywendung erinnere, weiß ich doch noch, dass das Finale packend war und ja, dort stattfand, wo alle Jungs hinmüssen, um Männer zu werden: Auf dem Bolzplatz.

Cheerio

Top 22 deutscher Serien: Nr. 22

Wie schon vor einigen Tagen angekündigt, möchte ich mal anfangen euch die deutschen Serien vorzustellen, die ich (mindestens) für sehenswert halte, wobei ich mich nicht auf aktuelle beschränke. Ausdrücklich schließe ich auch Miniserien, Mehrteiler etc. aus, das ist eine eigene Kategorie. So sehr die deutsche Serie krankt (jüngstes Opfer ist Klinik am Alex), so großartig sind viele Mehrteiler: Der Schattenmann, Der Tunnel, Der Seewolf und einige mehr.
Hier also die zweiundzwanzigbeste deutsche Serie aller Zeiten!!!!!!!!!!!!

22. Der Clown (Headwriter Stefan Barth)

Ohje, wie soll eine Liste weitergehen, die so anfängt? Ich gelobe Besserung. Trotzdem mochte ich die von Action Concept für RTL hergestellte Serie, die es in vier Jahren auf 46 Folgen in sechs Staffeln brachte. Man sieht schon: In Deutschland werden kaum mal gut 20 Folgen in einem Jahr produziert (und wenn es mal eine macht, wie KaA, dann hat sie keinen großen Erfolg). Max Zander war Der Clown und machte den bösen Jungs das Leben schwer. Zentral für den Unterhaltungswert waren nicht nur die spektakulären Stuntsequenzen, sondern vor allem die beiden Figuren Claudia und Dobbs.

Außerdem war die Maske einfach liebevoll gestaltet, selbst wenn sie Herr Martinek zu oft ablegte, um in den unangebrachtesten Szenen sein mimisches Geschick zur Schau zu stellen. Der Ansatz war für heutige deutsche Verhältnisse geradezu revolutionär: Man nehme KEINE erfolgreiche Ami-Serie, sondern überlege sich selbst etwas und mache das dann so unterhaltsam wie möglich. Die Leute damals...

So, in meinem Bestreben nicht mehr ganz so lange Posts zu verfassen, kommt die nächste Serie erst...demnächst. Ratet mal, welche Nummer ;)

Cheerio
 
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